Wie groß ist der Fachkräftemangel im Handwerk?
Laut dem Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) gab es 2025 in Handwerksberufen rund 209.000 offene Stellen, aber nur rund 139.000 arbeitslose Handwerker. Weil zum Beispiel eine Dachdeckerin nicht als Augenoptikerin arbeiten kann, bleiben 97.482 Stellen, die rechnerisch niemand besetzen konnte. Das ist die Fachkräftelücke.1
| Kennzahl | 2025 |
|---|---|
| Offene Stellen in Handwerksberufen | 209.444 |
| Arbeitslose, die eine Stelle im Handwerk suchen | 139.239 |
| Fachkräftelücke (rechnerisch nicht besetzbar) | 97.482 |
| Handwerksberufe mit Engpass | 59 von 115 |
| davon mit Engpass seit mindestens 10 Jahren | 35 |
| Rückgang der Lücke gegenüber 2024 | 9,5 % (alle Berufe: 24,1 %) |
Im Handwerk geht der Mangel also deutlich langsamer zurück als in der übrigen Wirtschaft. Auch die Bundesagentur für Arbeit sieht Engpässe vor allem in der Pflege, in medizinischen Berufen und in Bau- und Handwerksberufen. Sie zählt für 2025 insgesamt 157 Engpassberufe, nach 163 im Jahr 2024.2
Welche Handwerksberufe sind am stärksten betroffen?
Am größten ist die Lücke bei Gesellen in der Bauelektrik. Dort konnten 2025 rechnerisch mehr als sieben von zehn offenen Stellen nicht besetzt werden. Danach folgen die Kfz-Technik und die Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. Insgesamt fehlten in 15 Handwerksberufen jeweils mehr als 1.000 Fachkräfte.1
| Beruf (Gesellen) | Fehlende Fachkräfte | Nicht besetzbar |
|---|---|---|
| Bauelektrik | 16.270 | 70,6 % |
| Kraftfahrzeugtechnik | 13.327 | 60,6 % |
| Sanitär, Heizung, Klimatechnik | 10.941 | 70,6 % |
| Metallbau | 6.513 | 60,6 % |
| Verkauf von Fleischwaren | 4.665 | 76,7 % |
„Nicht besetzbar“ ist der Anteil der offenen Stellen, für die es bundesweit keine passend qualifizierten Arbeitslosen gibt. Das KOFA nennt diesen Wert Stellenüberhangsquote.1
Fehlen eher Gesellen oder Meister?
In absoluten Zahlen fehlen vor allem Gesellen. 78.869 der knapp 100.000 fehlenden Fachkräfte haben eine abgeschlossene Berufsausbildung. Meister sind aber schwerer zu finden. Bei Gesellen konnten 2025 drei von zehn offenen Stellen rechnerisch nicht besetzt werden, bei Meistern und Technikern fast jede zweite.1
| Abschluss | Fehlende Fachkräfte | Nicht besetzbar |
|---|---|---|
| Gesellen | 78.869 | 29,6 % |
| Meister | 8.150 | 47,7 % |
| Techniker und andere Fortbildungsabschlüsse | 10.319 | 48,0 % |
Meister fehlen vor allem in Gewerken, in denen schon Gesellen knapp sind. Wer heute keine Gesellen hat, hat morgen weniger Leute für die Meisterschule. Im SHK-Handwerk fehlten 2025 auf Meisterebene 1.525 Fachkräfte, und 75,1 Prozent der offenen Stellen waren rechnerisch nicht besetzbar.1
Wie sieht es im SHK-Handwerk aus?
Das SHK-Handwerk gehört zu den Berufen mit dem größten Mangel. 2025 fehlten 10.941 Gesellen, und sieben von zehn offenen Stellen waren rechnerisch nicht besetzbar.1 In der Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit erreichen die SHK-Berufe 2,5 von 3 Punkten. Ab 2,0 Punkten gilt ein Beruf als Engpassberuf.2
Laut Zentralverband Sanitär Heizung Klima meldet rund die Hälfte der SHK-Betriebe offene Stellen. Die Ausbildung ist stabil: 2025 lernten 40.770 junge Leute Anlagenmechaniker SHK, 0,8 Prozent mehr als im Vorjahr.3 Für den wachsenden Bedarf reicht das nicht. Wie Betriebe erfahrene Monteure finden, steht auf der Seite Anlagenmechaniker SHK finden.
Warum fehlen im Handwerk Fachkräfte?
Ein reines Imageproblem ist es nicht. In Berufen wie Bauelektrik, SHK und Dachdeckerei wächst der Bedarf durch Energiewende und Sanierung schneller, als Nachwuchs nachkommt. Gleichzeitig gehen viele erfahrene Fachkräfte in Rente und müssen ersetzt werden. In anderen Berufen wie dem Metallbau steckt dagegen die Ausbildung selbst in der Krise.1
Die Zahl neuer Ausbildungsverträge im Handwerk sank von 150.747 im Jahr 2011 auf 133.197 im Jahr 2025. Zum Stichtag 30. September 2025 blieben 21.571 Ausbildungsplätze unbesetzt.1 In den Berufen mit dauerhaftem Engpass stieg die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen seit 2016 aber um 8,4 Prozent. Junge Leute gehen also durchaus dorthin, wo Fachkräfte gebraucht werden.1
Was können Betriebe gegen den Fachkräftemangel tun?
Auf Hilfe aus der Politik zu warten, bringt keinem Betrieb etwas, der diesen Monat Aufträge abarbeiten muss. Was kurzfristig wirkt, liegt im eigenen Betrieb. Sprechen Sie Fachkräfte an, die gerade nicht suchen, und sorgen Sie dafür, dass Ihr Betrieb online als Arbeitgeber überzeugt. Langfristig zahlen sich Ausbildung und gute Bedingungen für das eigene Team aus.
- Fachkräfte ansprechen, die nicht suchen. Die meisten guten Gesellen haben einen Job und lesen keine Stellenbörsen. Anzeigen auf Instagram und Facebook im Umkreis erreichen sie trotzdem. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Mitarbeiter über Instagram und Facebook finden.
- Als Arbeitgeber überzeugen. Bewerber googeln Ihren Betrieb, bevor sie sich melden. Eine Karriereseite mit Gehalt, Fahrzeug und echten Fotos aus dem Team beantwortet ihre Fragen.
- Schnell zurückrufen. Wer sich bewirbt, spricht oft mit mehreren Betrieben. Melden Sie sich innerhalb weniger Tage, nicht nach Wochen.
- Ausbilden und halten. In SHK und Bauelektrik steigen die Bewerberzahlen für Ausbildungsplätze. Eigene Azubis sind die Gesellen von morgen, und jeder Geselle, der bleibt, muss nicht ersetzt werden.
Alle Wege mit Kosten und Aufwand stehen im Leitfaden Mitarbeiter finden im Handwerk. Was eine offene Stelle Ihren Betrieb jeden Monat kostet, rechnet der Vakanzrechner aus. Wenn Sie eine Stelle schnell besetzen müssen, zeigt das 21-Tage-Recruiting, wie wir dabei vorgehen.
Woher stammen die Zahlen?
Die Zahlen zur Fachkräftelücke stammen vom KOFA am Institut der deutschen Wirtschaft, das im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums arbeitet. Grundlage sind gemeldete Stellen und Arbeitslose der Bundesagentur für Arbeit, hochgerechnet mit der IAB-Stellenerhebung. Alle Werte sind Jahresdurchschnitte für 2025. Wir aktualisieren diese Seite, sobald neue Auswertungen erscheinen.1